#working_mum

Ich bin heute um 6.30 wach geworden, vom Powerarmband von meinem Mann, das brummt immer so schön. Und von Musik, im 5 Minuten Takt. Ich war noch müde von gestern, da bin ich von einer drei-Tages-Tour aus Köln wieder gekommen, Premiere: Ausflug nur Mama und Kind 1. Ich habe meine Nachrichten gecheckt, kurz in die Mail geschaut und bei Twitter, meinem neuen Lieblingsspielzeug, vorbei. Dann bin ich aufgestanden, hab die Toilette sauber gemacht und mich angezogen. Auf dem Weg zur Arbeit von meinem Mann, da bringe ich ihn manchmal hin und hole ihn später wieder ab, halten wir bei Kaisers und kaufen uns Frühstück.

Dann ging es ab in meinen Laden in Neukölln. Der kühlste Ort in Berlin an diesen heißen Tagen. Ich habe Emails beantwortet und für meinen Zweitjob „Schule im Aufbruch“ gearbeitet: den Finanzplan gecheckt, eine Ausarbeitung gelesen, eine Anfrage gestellt und ein Telefonat versucht.
Dann kam mein erstes Paar an dem Tag. Eine Stunde lang volle Konzentration auf die beiden, mein ganzes Herz und mein Kopf sind da gefordert und immer dabei.

Nach der Stunde habe ich mit meiner Ladenmitbewohnerin geplauscht und bin abgedüst, um Kind 1 abzuholen. Wir sind zur Schule gefahren, 11:30 Uhr war der Bus angemeldet, der die Hortfahrtkinder zurück bringen sollte. Mit drin: Kind 2. Und ich habe das schon mal verpasst, da war ich zu spät, großes Mutter-Vergehen..Nie wieder.

Aus der Ferne wird mir zugebrüllt: “Frau Holfeld, die Kinder sind noch unterwegs und kommen bestimmt eine Stunde später.“ Und nun? Es sind 39 Grad. Ok, ich rühre mich nicht vom Fleck. Mein Telefon klingelt. Es ist StarFM, der Radiosender. Ob ich für ein Telefoninterview bereit stehen würde, es geht um unglückliche, frische Eltern und was man hier tun kann. Klar, sag ich, aber erst in 1,5 Stunden ca. Sie sind einverstanden und wollen mich zurückrufen.
Kind 2 spielt auf dem Handy und fährt DABEI Waveboard. Ich habe etwas Zeit und telefoniere mit einer neuen stellvertretenden Schulleiterin über ihren neuen Job, meine Lieblingsbeschäftigung in meinem Zweitjob. Nach einer halben Stunde Telefoncoaching muss ich auflegen, der Bus kommt. Ich verabrede mich neu mit ihr.

Wohlbehalten kommen die Kinder zurück, die Erzieherinnen sind gut gelaunt, hatten alle eine gute Woche. Ich helfe, die Chipkarten zu verteilen und nehme die Tasche in Empfang. Mein Kind läuft nach Hause. Bis zur nächsten Ecke, da ist ihm doch zu warm und er kommt lieber mit ins Auto.
Zu Hause angekommen mache ich ein bisschen sauber in der Küche, koche Grießbrei und bereite mich auf das Telefoninterview vor. Das klappt nicht gleich, das Aufnahmegerät spinnt. Ok, ich schreibe eine Mail an ein Paar, das für morgen abgesagt hat, und versuche mich zu entspannen.
Dann geht es los, ich habe die Chance, ein paar Sätze nochmal zu sagen, es ist ja eine Aufzeichnung. Danach bin ich mittel zufrieden, die Reporterin freut sich.

Twitter und Facebook weisen mich auf die Flüchtlingsproblematik am Landesamt für Gesundheit und Soziales hin. Ich muss etwas tun. Heute geht nicht, dann morgen? So richtig bekomme ich keine Antwort. Aber ich kann meine Familie mobilisieren, wir haben drei Autos und Geld und Zeit. Damit geht doch was. Gemeinsam.

13:15 Uhr, ich muss auch schon wieder los, meinen Mann abholen. Es ist einfach zu heiß. Gleich zu Hause angekommen, mache ich mich frisch. Heute ist die Beerdigung von Gerda, einer 93jährigen Verwandten. Ich nehme für meine 90 jährige Omi einen Schirm mit, etwas Schatten macht bestimmt Sinn. Der einzige, echte Stressmoment an diesem Tag: meine Mama hat unausgesprochen die Losfahrzeit um eine Viertelstunde vorverlegt. Mist, jetzt muss ich mich sputen. Beim losfahren beruhigt mich meine Omi, wir hätten ja Zeit, sich solle mich erstmal anschnallen und wir kommen bestimmt gut an. Okay, entspannen, atmen, Ziel eingeben, langsam fahren.

Dort sind schon einige Verwandten und Freunde der alten Dame versammelt, Beerdigungen hatte ich in diesem Jahr schon, mir gefällt daran, dass man einem Menschen noch einmal alle Aufmerksamkeit spendet, die man hat. In guter Erinnerung, mit vielen Anekdoten und Ereignissen aus dem Leben bereichert, fahren wir danach etwas Essen. Ans Wasser, das ist gut. Allerdings wurde draußen gedeckt, es ist immer noch sehr heiß.

Um 18 Uhr fahre ich nach Hause, befrage meinen Sohn nach der Hortfahrt und versuche etwas über die Flüchtlinge zu erfahren, die Zusage meiner Eltern habe ich, meine Großmutter gibt Geld dazu. Das Rote Kreuz antwortet mir auf Twitter, dass Baby- und Kindersachen benötigt werden. Dann weiß ich ja, womit wir morgen helfen können.

Jetzt kommt gleich Besuch. Glücklicherweise 1,5 Stunden später als vereinbart, ich habe die Chance, alles von heute mal aufzuschreiben, mir nochmal zu vergegenwärtigen und dann zu posten. Dann gibt es Sekt. Ich finde solche Tage ganz alltäglich und normal, wie ist das bei Euch?

Und, ich freue mich auf zwei Wochen Urlaub. Einfach nur lesen, baden, kochen, Boot fahren. Diese Tage habe ich auch, ohne die ginge das nicht. Und doch, ich mag das so, mein Leben.