Trotz Trennung Eltern bleiben – nur wie?

Menschen kommen zusammen, man verliebt sich, zieht in eine Wohnung, lebt Seite an Seite, zeugt Kinder, heiratet, kauft gemeinsam ein, entwickelt sich weiter. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist ein gutes. Das anfängliche Versprechen „für immer“ lösen jedoch nicht alle Paare ein. Die Scheidungsrate ist hoch, laut statistischem Bundesamt wurde 2011 jede zweite Ehe in Deutschland geschieden, 1985 war es “nur” jede dritte. In Berlin beträgt die Rate sogar 63 Prozent. Nichteheliche Beziehungen trennen mindestens genauso häufig..

Bei der Trennung kann man alles wieder auflösen, das Haus verkaufen, sich neu verlieben, die Ehe scheiden. Aber die Elternschaft – die bleibt. Für IMMER. Darüber wird man sich in dem Moment bewusst, wenn ein Kind geboren wird. Mit diesem Partner, dem Vater bzw. der Mutter des Kindes, bleibt man ein Leben lang verbunden. Elternschaft lässt sich nicht auflösen, auch wenn Sorgerechtsverhandlungen einen anderen Eindruck hinterlassen.

Wie gelingt die Aufrechterhaltung bzw. auch die Gestaltung der Elternbeziehung trotz getrennter Partnerschaft? Wie kann man Verletzungen, Enttäuschungen, Wut undÄrger sowie Distanz und Kontaktlosigkeit überwinden, die zu den meisten Trennungen gehören. Die Motivation für eine neue Gestaltung der Elternbeziehung liegt zunächst in dem Wunsch, mit dem Kind weiter verbunden zu sein und seine Elternrolle weiter auszufüllen. Eine andere Motivation sollte jedoch in der Sorge um das eigene Seelenheil liegen, damit man sich dem neuen Kapitel im Leben wieder positiv zuwenden kann. Das ist nicht nur dann wichtig, wenn der Partner nichts mit einem zu tun haben möchte, sondern auch dann, wenn Kontakt bestehen bleibt. Immer auch mit der Frage verbunden, was man selbst dafür tun kann, damit sich die Situation bzw. die Beziehung verbessert.

Die Zeitschrift ELTERN hat den Züricher Professor Remo Largo 2008 im Interview gefragt, ob es möglich sei, als Paar getrennt zu sein, als Eltern jedoch alles beim Alten zu belassen. Der Autor des Buches „Glückliche Scheidungskinder“ antwortet wie folgt:„Ich würde sagen, etwa einem Drittel der Eltern gelingt das auch. Und ein weiteres Drittel könnte es schaffen, wenn sie die nötige Unterstützung durch Therapeuten oder Mediatoren bekämen. Ich sage nicht, dass das leicht ist. Im Gegenteil: Es ist ein hartes Stück Arbeit. Aber es ist möglich.“