„Haben Sie das von den Morgans gehört?“

Ich mag meinen Job wirklich sehr, ich kann den ganzen Tag lang Liebesfilme schauen und nenne das dann: arbeiten;-)

In dem Film mit Sarah Jessica Parker und Hugh Grant geht es um die Geschichte von einem Ehepaar, das einen Mord miterlebt und in einem Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird und ins weite Land Amerika zu den cowboyhütentragenden Menschen geschickt wurde, aus dem prallen New York weg.

Die Vorgeschichte der beiden ist, dass er fremdgegangen ist und sie sich getrennt haben und gerade, kurz vor dem Mord, das erste Wiederannäherungsdate hatten. Und sie nun, im Zeugenprogramm, ganz dicht aneinander rutschen, in der Fremde sind, Bären und Pferden begegnen und eben immer mal wieder Todesangst haben.

Worum es jedoch eigentlich geht, ist: wie gelingt die Wiederannäherung, wenn er fremdgegangen ist und sie das Vertrauen in ihn verliert?

Der Film gibt schöne Anregungen: den Raum- Zeitkontext wechseln, sich andere Aufgaben und Ablenkungen suchen, gemeinsam etwas Neues, Wichtiges erleben, Momente schaffen, an denen eine neue Begegnung wieder stattfinden kann, Ehrlichkeit darüber, wie die Beziehung eigentlich wirklich war. Und die ganze Zeit über ein zartes, neues Band zwischen sich spinnen, mutig sein, sich zu zeigen, den anderen wieder mit neuen Augen sehen und sich selbst zumuten, mit all dem, was man eben zu bieten hat.

Es stellt sich die Frage nach den enttäuschten Erwartungen. Ja, es wurden Erwartungen enttäuscht, aber auf beiden Seiten. Es gab viel Stress, Frustration ums Kinderhabenwollen und Adoptieren, viel Anspannung wegen der zeitaufwendigen Jobs, genervter und wenig fröhlicher Umgang miteinander. Es wird deutlich, dass wir eben alle nur das geben können, was wir haben und nur so sein können, wie wir sind. Und dass Fehlerfreundlichkeit wichtig ist, wenn wir auf lange Sicht beieinander sein wollen. Ich sage manchmal: ent-täuscht, einer Täuschung weniger erlegen. Und das ist doch gut. Ich kann ehrlich sein mit dem, was ich zu geben habe und dem, was ich mir wünsche. Und beide können schauen, ob und wenn ja wie es passen kann.

Also los, schaut Liebesfilme und nehmt daraus etwas mit für Euch, das ist Arbeit. 😉

Wer ist dran mit Hausarbeit?

Eine tolle Idee, um das leidige Paarstreitthema: wer ist dran mit Hausarbeit? zu verändern:
-lustig: es gibt Würfel, die der “Knick-Knack-Design”-Shop bei Dawanda erstellt. Auf den einen können Sie Symbole tun, die mit Abwasch, Putzen, Einkaufen und Spülmaschine zu tun haben und auf einen weiteren Ihre Namen. Dann wird immer wieder neu gewürfelt.
-effektiv: diese Liste in Excel kann Sie dabei unterstützen, Ihre Aufgabe, die zu Hause und innerhalb des Familienalltags anfallen, neu zu sortieren und zu zuordnen. Vielleicht haben sich bestimmte Aufteilungen bewährt, vielleicht bedürfen anderer einer Überholung. Ergänzen Sie nach freien Stücken und hängen Sie sich die Liste irgendwo für Sie beide sichtbar hin

Die Tücken der Allparteilichkeit

Ein Paarberater oder auch Mediator sollte immer neutral sein, das wünschen sich die Paare, die keinen Schiedsrichter brauchen. Neutral zu sein – das fällt mir manchmal schwer, ich bin auch ein Mensch mit eigenen Werten, Normen, Erfahrungen, mit einer eigenen Meinung. In meiner Mediationsausbildung haben wir statt neutral das Wort “allparteilich” gelernt. Das passt für mich besser. Es geht in meiner Arbeit darum, alle beteiligten Parteien gleichermaßen zu sehen, anzuhören, zu beachten. (dazu zählen manchmal auch die nicht anwesenden, bspw. die Kinder). Jedem wirklich zuzuhören und zu verstehen, was dessen Anliegen sind, das ist meine Aufgabe und das fällt mir meistens leicht.
Schwierig wird es dann, wenn der heimliche, nicht offen kommunizierte Wunsch an mich doch das Recht geben ist. Dann ist es eine Herausforderung auszuhalten, dass ich den anderen genauso gut verstehen kann. Hier hilft manchmal aus der Heimlichkeit herauzutreten und mit meiner Unterstützung etwas mehr die Perspektive des anderen zu sehen uns auch zu würdigen. Zu wissen oder auch in der Beratung zu erfahren, dass meins Bestand behalten kann und dass der andere auch ein gutes Recht auf seine Meinung hat, das beides geht, das wirkt bei folgendem Konflikten deeskalierend.

So bleibt die Liebe frisch

*Wie können Paare ihre Liebe frisch halten? Haben Sie Tipps? Und was raten Sie Paaren, deren Beziehung ein bisschen eingeschlafen ist. Wie bringt man wieder Pepp rein?

Die Liebe bleibt frisch, wenn es auf der einen Seite etwas gibt, das neu, überraschend oder verwunderlich  ist. Eine neue Art, Essen zu zubereiten, eine neue Bekanntschaft, ein spontan anderes Verhalten als das übliche, Überraschungen im Alltag – egal was. Etwas, das anders ist, das die übliche Sicherheit, in der man sich in einer Beziehung schnell wiegen kann, etwas beeinflusst, damit man sich wahrnehmen kann, sich spüren, sich wichtig sein kann; damit die Beziehung nicht nur Alltag ist.

Und auf der anderen Seite, wenn man gut die sog. Sprache der Liebe des Partners spricht, wenn man gut weiß, woran er/sie merkt, dass man ihn/sie liebt. Sind es Geschenke oder kleine Aufmerksamkeiten, ist es ungeteilte Paarzeit oder schöne Worte und Liebeserklärungen oder ist es Körperlichkeit und Sexualität? Achten Sie aufeinander, meistens ist ein guter Hinweis auf die sog. Sprache der Liebe des anderen die Signale, die er Ihnen aussendet. Bekommen Sie häufig etwas geschenkt? Dann schenken Sie! Mag der andere häufig etwas mit Ihnen unternehmen? Dann planen Sie doch eine Überraschung, wo Sie nur zu zweit sein werden. Etwas mehr Aufmerksamkeit, etwas mehr Pepp tut jeder Beziehung gut.

*Vielleicht können Sie auch noch etwas zu Ritualen schreiben – ist es etwa sinnvoll, sich jeden Tag kleine Botschaften zu schreiben oder gezielt Liebestreffen zu vereinbaren?

Als Paar häufig zu kommunizieren ist sicherlich hilfreich, ob das kleine Nachrichten über den Tag sind oder Liebesbriefe oder eine regelmäßige Verabredung an einem Abend in der Woche – das ist von Paar zu Paar sicherlich unterschiedlich. Wichtig ist es, überhaupt sich auszutauschen, welchen Weg man auch immer wählt. Teilhabe am gemeinsamen Leben, an Wünschen und Träumen, an gegenseitiger Zuneigung und natürlich auch an den profanen Alltäglichkeiten des Alltags, das ist für eine Beziehung wichtig.
Rituale, die das Paarleben bereichern, halte ich auch für sinnvoll. Ob das das wöchentliche Bowling ist oder ein anderes gemeinsames Hobby, der allabendliche Gutenacht-Kuss, das außergewöhnliche Essen zum Hochzeitstag – was auch immer. Etwas, woran das Paar merkt, dass es eben ein Paar ist, etwas spezielles teilt und dass man sich gegenseitig wichtig ist.

Sieben Schlüssel zur gelingenden Beziehung

Besser sprechen, gut zuhören, sich achten und Paarzeit – wichtige Vorhaben für eine gute Partnerschaft. Das macht doch jeder, oder? In der Praxis der Paarberatung, zeigt sich, dass das eben leider nicht jeder und nicht jede tut. Der Alltag frisst die Liebe auf, es geht um Tagesorganisation und Grundsatzdiskussionen, um Kleinigkeiten und um Banalitäten. Wirklich in Kontakt zu kommen und zu bleiben – das ist eine echte Herausforderung. Jeden Tag.

Die sieben Schlüssel zu einer gelingenden Beziehung sind in den vielen Gesprächen mit Paaren und eigenen Erkundungen entstanden. Sie sind eingänglich, nachvollziehbar und verständlich. Diese wirklich zu beherzigen, anzunehmen, umzusetzen, das braucht viel Mut, langen Atem und das Wissen, wofür sich die Anstrengung lohnt.

 

7. Schlüssel – Es kann nur klappen, was auch schiefgehen darf

„..schief gehen?“ – was dann? Hier gibt es selten ein Rezept. Es lohnt sich, rechtzeitig darüber zu sprechen. „Es darf schiefgehen“ heißt aber auch: es könnte vielleicht schiefgehen. Es gilt also, etwas für die Beziehung zu tun, etwas zu investieren. Genießen, einlassen, fühlen und gleichzeitig immer dran bleiben, sich einbringen, etwas dafür tun, dass sich die Beziehung gut entwickeln kann.

Paarberatung für Einzelpersonen?

Eben schneite ein alter Mann in meinen Laden und fragte: “Und wie geht Paarberatung für einen allein?” Er ergänzte sofort, dass er ja verheiratet sei;-)

Paarberatung für Einzelpersonen gibt es. Das muss man sich wie eine “halbe” Beratung vorstellen, man kann eben nur mit dem oder der arbeiten, die da ist. Wir sprechen über die Beziehung, die Einzelperson und den anderen Menschen, das Familiensystem. Vielleicht könnte man auch “Beziehungscoaching” dazu sagen, jedenfalls geht es darum zu schauen, was die Person, die in der Beratung ist, machen kann, damit es ihr besser geht. Manchmal sind es nächste Schritte, die vereinbart werden, manchmal reicht aber auch, sich einer fremden Person das Herz auszuschütten und einen Blick von außen auf die Beziehung zu bekommen.

Es kommen auch Menschen, die mit einer Trennungssituation nicht so richtig gut klar kommen und Unterstützung in dieser Krisenzeit suchen. Oder andere, die auf der Suche nach jemandem sind und nicht ganz klar darüber sind, wen sie sich für sich wünschen und erneute Enttäuschungen vermeiden wollen. Sogenannte “Singleberatung” ist da sicherlich ein Teil der Arbeit, nämlich zu überlegen, wo man suchen kann, was man an sich verändern könnte, welche Ansprüche man an Beziehungen stellt.