Sexualität und Beziehung

In dieser Woche habe ich an einem Webinar von zwei Kolleginnen teilgenommen, als stille, manchmal schreibende Zuhörerin. Es waren Ann-Marlene Henning, die Sexologin und Paartherapeutin (www.doch-noch.de) und Susanne Wendel, Ernährungsberaterin und Sexpertin;-) (www.gesundgevoegelt.de). Sie haben eine Stunde lang über sich, über Sex, über ihre Arbeit und den Ansatz Sexcorporel gesprochen und drei Geheimnisse gelüftet.

Was ich verstanden habe:
99 % der Sextipps sind unbrauchbar: wir sind alle so einzigartig und individuell verschieden, dass die üblichen Sextipps für uns nicht passen. Nicht für jeden ist: „Entspannen Sie sich“ hilfreich für den Orgasmus oder „Gestalten Sie ein romantisches Setting“, wenn man eigentlich auf harten Sex steht.

ein umfassendes Geflecht aus Beziehungserleben, Körperwahrnehmung, Vorerfahrung und Lustspektrum beeinflusst die Sexualität und die sexuelle Handlung: es lohnt sich, jede der Elemente anzuschauen, wenn man sein Sexleben dauerhaft verbessern möchte und eben nicht nur andere Stellungen zu probieren

Sexualität beginnt nicht erst in der Pubertät: schon sehr sehr früh, im Mutterleib, als Baby und Kleinkind machen wir unsere ersten Erfahrungen mit uns selbst, mit unserem Körper, mit unserer Erregung. Erziehung tut dann ihren Teil: Bewertungen rund um das Geschlechtsteil, Normen/ gesellschaftliche Umgangsweisen und das Miteinander mit anderen prägen uns und unsere Verhaltensweisen auch in Bezug auf Körperlichkeit, Sexualität, Selbsterleben.

Sex ist erlernt: auch wenn es diesen Sextrieb gibt und die Instinkte uns treiben, ist die Art und Weise, wie wir Sex haben und erleben erlernt. Die gute Nachricht dabei: wir können mehr lernen, damit sich das Sexleben verbessert. Viele, viele Filme, die Ann-Marlene macht und auch ihr Buch: „Make love“ 1+2 unterstützen diesen Lernprozess, das echte Ausprobieren muss dann jeder selbst für sich umsetzen.

Stimulation von Erregung: das ist das wichtigste Stichwort, finde ich. Eigene Erregungszustände zu reflektieren, sich zu spüren und wahrzunehmen im Alltag mit den verschiedenen Momenten von Anspannung, Erregung und körperlicher Bewegung – das ist sehr wichtig, weil erst, wenn ich lerne, meine Erregung zu steuern, sie stärker oder schwächer werden zu lassen, dann gelingt mir das auch in sexuellen Situationen besser. Beckenbodenübungen sind dafür übrigens sehr hilfreich;-)

vertraute Kommunikation ist für ein gutes Sexleben unabdingbar: klar, das ist wichtig. Sowieso in der Beziehung. Beide Sexpertinnen haben darüber gesprochen, wie schnell Jahre vergehen können, bevor man sich traut, doch mal zu sagen, was einen beim Sex eigentlich stört. Sie geben den Tipp, einen Anlass zu wählen, um wieder mit dem Partner ins Gespräch zu kommen. Das kann dieser Blogbeitrag sein oder ein „make love“-Video im Fernsehen oder oder. Den Faden wieder aufzunehmen, etwas anderes vorzuschlagen, über Sexualität wieder zu sprechen, das ist der erste Schritt, um etwas zu verbessern. So gelingt es.

Ghosting – und weg war er..

Kennt Ihr das auch? Eine Beziehung verläuft nicht so, wie gedacht, es gibt eine heftige Irritation und dann ist Schluss? Knall auf Fall ist der andere verschwunden. Ich war bei einer Paarberatung heute irritiert über die Geschwindigkeit des Akzeptierens der Trennung und dem Einhergehen wichtiger Entscheidungen, wer wohnt wo, was passiert mit dem Haus, wie gehen wir nett miteinander um. Was sie jedoch beide machen: sie konfrontieren sich, sie reden. Sogar mit meiner Hilfe. Beim Ghosting jedoch verschwindet der andere einfach aus dem Leben. Kein Anruf, keine Nachricht, keine Konfrontation, kein Treffen. Nix. Einfach Stopp, Pause, Schluss, Stille. Für den, der über bleibt, eine blöde Situation, es gibt keine Chance zu klären, zu reden, zu heilen. Man bleibt damit allein.
In dem Artikel in der Süddeutschen werden Beispiele aufgezählt, die Promis und anderen Erdenbürgern passieren. In der digitalen Welt geht so ein Verschwinden auch noch einfacher. Wenn viele Teile der Beziehung über das Mobilgerät abliefen, ist ein Cut einfacher zu realisieren als der reale Rückzug, Auszug, Weggang.

Was macht man da nun?
Was einem ja bleibt, ist man selbst. Es geht also um die eigene Reflexion, das Feedback an sich selbst, vielleicht ein Tagebuch mit allen Dingen, die man gern sagen würde (online oder offline)… Und es braucht Geduld, Vergebung und der stete Aufbau des eigenen  Selbstbewusstseins, das ist nämlich am Anfang erstmal dahin. Schritt für Schritt wird es besser, das Herz beruhigt sich und die Gedanken wenden sich anderen Dingen zu und anderen lieben Menschen. Langsam.

Die Tücken der Allparteilichkeit

Ein Paarberater oder auch Mediator sollte immer neutral sein, das wünschen sich die Paare, die keinen Schiedsrichter brauchen. Neutral zu sein – das fällt mir manchmal schwer, ich bin auch ein Mensch mit eigenen Werten, Normen, Erfahrungen, mit einer eigenen Meinung. In meiner Mediationsausbildung haben wir statt neutral das Wort “allparteilich” gelernt. Das passt für mich besser. Es geht in meiner Arbeit darum, alle beteiligten Parteien gleichermaßen zu sehen, anzuhören, zu beachten. (dazu zählen manchmal auch die nicht anwesenden, bspw. die Kinder). Jedem wirklich zuzuhören und zu verstehen, was dessen Anliegen sind, das ist meine Aufgabe und das fällt mir meistens leicht.
Schwierig wird es dann, wenn der heimliche, nicht offen kommunizierte Wunsch an mich doch das Recht geben ist. Dann ist es eine Herausforderung auszuhalten, dass ich den anderen genauso gut verstehen kann. Hier hilft manchmal aus der Heimlichkeit herauzutreten und mit meiner Unterstützung etwas mehr die Perspektive des anderen zu sehen uns auch zu würdigen. Zu wissen oder auch in der Beratung zu erfahren, dass meins Bestand behalten kann und dass der andere auch ein gutes Recht auf seine Meinung hat, das beides geht, das wirkt bei folgendem Konflikten deeskalierend.

3. Schlüssel: Ich höre Dir aufmerksam zu

Das wichtigste, neben der Technik des aktiven Zuhörens, ist die Neugier und das Interesse am anderen. Was ist Dir wichtig? Was heißt das für Dich, was Du mir sagst? Was heißt das für mich? Es braucht einen ruhigen Moment, um voll und ganz aufmerksam zu sein sowie innere Zuwendung.

Die Fabel von Hund und Eselin

Ein Hund und eine Eselin verliebten sich unsterblich ineinander und feiern schließlich im Kreise ihrer Freunde Hochzeit. Alle geladenen Tiere sind sich einig, kaum je ein schöneres, glücklicheres Brautpaar erlebt zu haben. Das strahlende Paar bezieht seine Hütte und lebt von nun an zusammen. Die Jahreszeiten ziehen ins Land und ein Jahr darauf kommt der Dachs ­ ehemals Hochzeitsgast ­ in die Gegend der beiden, erinnert sich der glücklichen Hochzeit und beschließt, Hund und Eselin einen Besuch abzustatten. In der Hütte der beiden angekommen ist er tief erschrocken, sie geben ein Bild des Jammerns ab. Total geschwächt und bis auf die Knochen abgemagert kauern sie am Boden, ringen nach Atem, siechen dahin. Der Dachs wendet sich zutiefst besorgt an den Hund und flüstert ihm ins Ohr: “Was ist nur deiner ehemals blühenden Braut widerfahren, dass ich sie in diesem Zustand sehen muss?“ ­ “Ich habe keine Ahnung, ich bin völlig verzweifelt. Sie wird weniger und weniger, obwohl ich ihr immer die besten Knochen und das beste Fleisch überlasse. Der Dachs stellt daraufhin der Eselin auch die Frage, was mit dem Hund geschehen sei. Daraufhin die Eselin: “Es ist ganz schrecklich, mein Gemahl wird schwächer und schwächer, obwohl ich ihm immer das duftigste Heu und die feinsten Disteln überlasse.“
Ernst Bloch.

Die Sprache der Liebe

25.Oktober 2013, 20 Uhr

Wie Kommunikation in der Partnerschaft gelingt.

Wie steht es um Ihre Beziehung? Was wiederholt sich? Wo gibt es immer wieder Enttäuschungen? Haben Sie
die richtige Sprache der Liebe gewählt?

Frau Holfeld gibt Anregungen, um herauszufinden, was Sie selbst brauchen, um zu merken, dass der andere
Sie liebt und welchen Weg Sie wählen können, um zu zeigen, dass Ihnen der andere am Herzen liegt.

Die Geschichte mit dem Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt er hinüberzugehen und den Hammer auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar ihm den Hammer nicht verleihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan! Der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen will, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einen Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht‘s mir wirklich – Und so stürm er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Paul Watzlawik (1983): Anleitung zum Unglücklichsein. München, Pieper Verlag