Geflüchtete Menschen

Woooooow, das Thema hat mich. Jahrelang habe ich keine Nachrichten gesehen, keine Zeitung gelesen, mich aus politischen Diskussionen ganz herausgehalten. Ich fand mein Engagement für meine Familie und mein nahes Umfeld schon herausfordernd genug. Zusätzlich habe ich immer eine Arbeit, in der ich mich für andere Menschen engagiere, ob im Stadtteilzentrum, im Familientreff, in der Paarberatung oder dem Schulprojekt. Da blieb keine Kapazität übrig.
Jetzt aber bin ich dabei, wie viele andere Menschen auch. Ich habe das Gefühl, das geht mich etwas an, das berührt mich und ich bin irgendwie gepackt. Und gelähmt, gleichzeitig. So viele Menschen, die fliehen aus einer so schrecklichen Lebenssituation auf einem so schwierigen und gefährlichen Weg in eine so ungewisse Zukunft, die sehr viele Unsicherheiten bietet. Sie kommen hierher, zu uns. Und wir haben hier viel zu bieten.

Da bin ich so erschrocken und fassungslos über die viele Ablehnung, die sich bei dem Thema Geflüchtete auftaucht, hier bei uns in Deutschland. Schon wieder fühle ich mich da nicht zugehörig, das war schon einmal so, als aus den Stimmen, „wir sind das Volk“ plötzlich und unbeeinflussbar „ein Volk“ wurde. Da war was deutsches, was ich nicht verstehen konnte und auch so nicht gefühlt habe.

Und jetzt? Jetzt bin ich dabei. Aber wie? Nach der ersten Sofort-Aktions-Euphorie: lasst uns Sachen spenden und ins Lageso bringen, bin ich in den Urlaub und damit in eine Starre gefallen. Ich habe auf die Pausetaste gedrückt, dabei hatte ich noch gar nicht richtig angefangen. Und dann kam: Blogger für Flüchtlinge und ich dachte: genau, super, das ist gut, hier kann ich etwas tun. Ich trage seit einiger Zeit unregelmäßig in einem kleinen Team Blogs auf der Webseite ein, die sich FÜR geflüchtete Menschen einsetzen und zeigen, dass Deutschland diese Seite hat. Das hat mir geholfen. Aus meinem: Wo fange ich bloß an? Was kann ich denn schon tun? Wieviel Energie habe ich dafür dauerhaft? Was hilft wirklich? Hin zu: ja, eine konkrete Sache. Und davon gibt es inzwischen mehr. Auf einen Handzettel hin habe ich lauter Bastelsachen zu einer Familie gebracht, die in der Notunterkunft in Berlin-Karlshorst mit Kindern malen und basteln wollen. Ich war in der Kleiderkammer vom NUK in unserem Kiez und habe Sachen sortiert, das werde ich wiederholen. Dieses Jahr zu Weihnachten werden wir als Familie alle Geld spenden und verzichten auf Weihnachtsgeschenke untereinander, für die NUK vor Ort.

Es gibt viel zu tun, jede kleine Hilfe hilft. Lasst uns zeigen, dass wir ein solidarisches, menschenfreundliches Deutschland sind, das nicht nur Bomber schickt, sondern dass vor allem hilfsbereit und großherzig, tatkräftig und zugewandt alle Menschen unterstützt, die es benötigen.