Die Tücken der Allparteilichkeit

Ein Paarberater oder auch Mediator sollte immer neutral sein, das wünschen sich die Paare, die keinen Schiedsrichter brauchen. Neutral zu sein – das fällt mir manchmal schwer, ich bin auch ein Mensch mit eigenen Werten, Normen, Erfahrungen, mit einer eigenen Meinung. In meiner Mediationsausbildung haben wir statt neutral das Wort “allparteilich” gelernt. Das passt für mich besser. Es geht in meiner Arbeit darum, alle beteiligten Parteien gleichermaßen zu sehen, anzuhören, zu beachten. (dazu zählen manchmal auch die nicht anwesenden, bspw. die Kinder). Jedem wirklich zuzuhören und zu verstehen, was dessen Anliegen sind, das ist meine Aufgabe und das fällt mir meistens leicht.
Schwierig wird es dann, wenn der heimliche, nicht offen kommunizierte Wunsch an mich doch das Recht geben ist. Dann ist es eine Herausforderung auszuhalten, dass ich den anderen genauso gut verstehen kann. Hier hilft manchmal aus der Heimlichkeit herauzutreten und mit meiner Unterstützung etwas mehr die Perspektive des anderen zu sehen uns auch zu würdigen. Zu wissen oder auch in der Beratung zu erfahren, dass meins Bestand behalten kann und dass der andere auch ein gutes Recht auf seine Meinung hat, das beides geht, das wirkt bei folgendem Konflikten deeskalierend.