Die Fabel von Hund und Eselin

Ein Hund und eine Eselin verliebten sich unsterblich ineinander und feiern schließlich im Kreise ihrer Freunde Hochzeit. Alle geladenen Tiere sind sich einig, kaum je ein schöneres, glücklicheres Brautpaar erlebt zu haben. Das strahlende Paar bezieht seine Hütte und lebt von nun an zusammen. Die Jahreszeiten ziehen ins Land und ein Jahr darauf kommt der Dachs ­ ehemals Hochzeitsgast ­ in die Gegend der beiden, erinnert sich der glücklichen Hochzeit und beschließt, Hund und Eselin einen Besuch abzustatten. In der Hütte der beiden angekommen ist er tief erschrocken, sie geben ein Bild des Jammerns ab. Total geschwächt und bis auf die Knochen abgemagert kauern sie am Boden, ringen nach Atem, siechen dahin. Der Dachs wendet sich zutiefst besorgt an den Hund und flüstert ihm ins Ohr: “Was ist nur deiner ehemals blühenden Braut widerfahren, dass ich sie in diesem Zustand sehen muss?“ ­ “Ich habe keine Ahnung, ich bin völlig verzweifelt. Sie wird weniger und weniger, obwohl ich ihr immer die besten Knochen und das beste Fleisch überlasse. Der Dachs stellt daraufhin der Eselin auch die Frage, was mit dem Hund geschehen sei. Daraufhin die Eselin: “Es ist ganz schrecklich, mein Gemahl wird schwächer und schwächer, obwohl ich ihm immer das duftigste Heu und die feinsten Disteln überlasse.“
Ernst Bloch.