Männliche und weibliche Erregungskurven. Eilert Bartels

Die Sexualaufklärung in den 50er und 60er Jahren ist ja wirklich der Knaller. Der Mann hat einen Sexualtrieb und die hübsche Hausfrau hat ihm zu gefallen und zu befriedigen. Da sind wir heute einen großen Schritt weiter. Eilert Bartels beschreibt in seinem Buch den Weg, den wir seit der Steinzeit gegangen sind, mit vielen Anekdoten und Geschichten verbildlicht. Seine ausführliche Analyse der viel zitierten Studie von Masters und Johnson aus den 60er/70er Jahren macht deutlich, dass männliche und weibliche Sexualität gar nicht so unterschiedlich ist, wie immer dargestellt wurde, er hat eine eigene Studie dazu verfasst, aus der er zitiert. Explizite Aussagen zur Sexualität von allen Geschlechtern, eigens erstellte Erregungskurven aufgrund seiner Untersuchung und ausgiebige Literaturrecherche zeigen die Vielfalt der menschlichen, sexuellen Bedürfnisse.

Bartels beschreibt Gelingensbedingungen für guten Sex und lange Orgasmen (Vertrauen, Verbundenheit, Geborgenheit etc). Er geht konkreter auf den wichtigen Bereich: Scham und Misstrauen ein, den er intensiv erforscht und kommt zu dem Schluss, dass es an der Zeit ist, eine andere Perspektive auf männliche und weibliche Sexualität einzunehmen.

Das finde ich auch und kann allen Interessierten das Buch wärmstens empfehlen. Es gibt viel zu lernen. Über uns.

Das Buch bei Amazon

Podcastfolge über LiebeN

Im Gespräch mit Carsten Filor denken wir über die Liebe nach. Wie geht das mit dem Verlieben, was sind Gefühle, wir entwickelt sich eine Beziehung und wie ist das mit den Mehrfachbeziehungen?

Zu hören gibt es die Podcastfolge hier.

Geflüchtete Menschen

Woooooow, das Thema hat mich. Jahrelang habe ich keine Nachrichten gesehen, keine Zeitung gelesen, mich aus politischen Diskussionen ganz herausgehalten. Ich fand mein Engagement für meine Familie und mein nahes Umfeld schon herausfordernd genug. Zusätzlich habe ich immer eine Arbeit, in der ich mich für andere Menschen engagiere, ob im Stadtteilzentrum, im Familientreff, in der Paarberatung oder dem Schulprojekt. Da blieb keine Kapazität übrig.
Jetzt aber bin ich dabei, wie viele andere Menschen auch. Ich habe das Gefühl, das geht mich etwas an, das berührt mich und ich bin irgendwie gepackt. Und gelähmt, gleichzeitig. So viele Menschen, die fliehen aus einer so schrecklichen Lebenssituation auf einem so schwierigen und gefährlichen Weg in eine so ungewisse Zukunft, die sehr viele Unsicherheiten bietet. Sie kommen hierher, zu uns. Und wir haben hier viel zu bieten.

Da bin ich so erschrocken und fassungslos über die viele Ablehnung, die sich bei dem Thema Geflüchtete auftaucht, hier bei uns in Deutschland. Schon wieder fühle ich mich da nicht zugehörig, das war schon einmal so, als aus den Stimmen, „wir sind das Volk“ plötzlich und unbeeinflussbar „ein Volk“ wurde. Da war was deutsches, was ich nicht verstehen konnte und auch so nicht gefühlt habe.

Und jetzt? Jetzt bin ich dabei. Aber wie? Nach der ersten Sofort-Aktions-Euphorie: lasst uns Sachen spenden und ins Lageso bringen, bin ich in den Urlaub und damit in eine Starre gefallen. Ich habe auf die Pausetaste gedrückt, dabei hatte ich noch gar nicht richtig angefangen. Und dann kam: Blogger für Flüchtlinge und ich dachte: genau, super, das ist gut, hier kann ich etwas tun. Ich trage seit einiger Zeit unregelmäßig in einem kleinen Team Blogs auf der Webseite ein, die sich FÜR geflüchtete Menschen einsetzen und zeigen, dass Deutschland diese Seite hat. Das hat mir geholfen. Aus meinem: Wo fange ich bloß an? Was kann ich denn schon tun? Wieviel Energie habe ich dafür dauerhaft? Was hilft wirklich? Hin zu: ja, eine konkrete Sache. Und davon gibt es inzwischen mehr. Auf einen Handzettel hin habe ich lauter Bastelsachen zu einer Familie gebracht, die in der Notunterkunft in Berlin-Karlshorst mit Kindern malen und basteln wollen. Ich war in der Kleiderkammer vom NUK in unserem Kiez und habe Sachen sortiert, das werde ich wiederholen. Dieses Jahr zu Weihnachten werden wir als Familie alle Geld spenden und verzichten auf Weihnachtsgeschenke untereinander, für die NUK vor Ort.

Es gibt viel zu tun, jede kleine Hilfe hilft. Lasst uns zeigen, dass wir ein solidarisches, menschenfreundliches Deutschland sind, das nicht nur Bomber schickt, sondern dass vor allem hilfsbereit und großherzig, tatkräftig und zugewandt alle Menschen unterstützt, die es benötigen.

#working_mum

Ich bin heute um 6.30 wach geworden, vom Powerarmband von meinem Mann, das brummt immer so schön. Und von Musik, im 5 Minuten Takt. Ich war noch müde von gestern, da bin ich von einer drei-Tages-Tour aus Köln wieder gekommen, Premiere: Ausflug nur Mama und Kind 1. Ich habe meine Nachrichten gecheckt, kurz in die Mail geschaut und bei Twitter, meinem neuen Lieblingsspielzeug, vorbei. Dann bin ich aufgestanden, hab die Toilette sauber gemacht und mich angezogen. Auf dem Weg zur Arbeit von meinem Mann, da bringe ich ihn manchmal hin und hole ihn später wieder ab, halten wir bei Kaisers und kaufen uns Frühstück.

Dann ging es ab in meinen Laden in Neukölln. Der kühlste Ort in Berlin an diesen heißen Tagen. Ich habe Emails beantwortet und für meinen Zweitjob „Schule im Aufbruch“ gearbeitet: den Finanzplan gecheckt, eine Ausarbeitung gelesen, eine Anfrage gestellt und ein Telefonat versucht.
Dann kam mein erstes Paar an dem Tag. Eine Stunde lang volle Konzentration auf die beiden, mein ganzes Herz und mein Kopf sind da gefordert und immer dabei.

Nach der Stunde habe ich mit meiner Ladenmitbewohnerin geplauscht und bin abgedüst, um Kind 1 abzuholen. Wir sind zur Schule gefahren, 11:30 Uhr war der Bus angemeldet, der die Hortfahrtkinder zurück bringen sollte. Mit drin: Kind 2. Und ich habe das schon mal verpasst, da war ich zu spät, großes Mutter-Vergehen..Nie wieder.

Aus der Ferne wird mir zugebrüllt: “Frau Holfeld, die Kinder sind noch unterwegs und kommen bestimmt eine Stunde später.“ Und nun? Es sind 39 Grad. Ok, ich rühre mich nicht vom Fleck. Mein Telefon klingelt. Es ist StarFM, der Radiosender. Ob ich für ein Telefoninterview bereit stehen würde, es geht um unglückliche, frische Eltern und was man hier tun kann. Klar, sag ich, aber erst in 1,5 Stunden ca. Sie sind einverstanden und wollen mich zurückrufen.
Kind 2 spielt auf dem Handy und fährt DABEI Waveboard. Ich habe etwas Zeit und telefoniere mit einer neuen stellvertretenden Schulleiterin über ihren neuen Job, meine Lieblingsbeschäftigung in meinem Zweitjob. Nach einer halben Stunde Telefoncoaching muss ich auflegen, der Bus kommt. Ich verabrede mich neu mit ihr.

Wohlbehalten kommen die Kinder zurück, die Erzieherinnen sind gut gelaunt, hatten alle eine gute Woche. Ich helfe, die Chipkarten zu verteilen und nehme die Tasche in Empfang. Mein Kind läuft nach Hause. Bis zur nächsten Ecke, da ist ihm doch zu warm und er kommt lieber mit ins Auto.
Zu Hause angekommen mache ich ein bisschen sauber in der Küche, koche Grießbrei und bereite mich auf das Telefoninterview vor. Das klappt nicht gleich, das Aufnahmegerät spinnt. Ok, ich schreibe eine Mail an ein Paar, das für morgen abgesagt hat, und versuche mich zu entspannen.
Dann geht es los, ich habe die Chance, ein paar Sätze nochmal zu sagen, es ist ja eine Aufzeichnung. Danach bin ich mittel zufrieden, die Reporterin freut sich.

Twitter und Facebook weisen mich auf die Flüchtlingsproblematik am Landesamt für Gesundheit und Soziales hin. Ich muss etwas tun. Heute geht nicht, dann morgen? So richtig bekomme ich keine Antwort. Aber ich kann meine Familie mobilisieren, wir haben drei Autos und Geld und Zeit. Damit geht doch was. Gemeinsam.

13:15 Uhr, ich muss auch schon wieder los, meinen Mann abholen. Es ist einfach zu heiß. Gleich zu Hause angekommen, mache ich mich frisch. Heute ist die Beerdigung von Gerda, einer 93jährigen Verwandten. Ich nehme für meine 90 jährige Omi einen Schirm mit, etwas Schatten macht bestimmt Sinn. Der einzige, echte Stressmoment an diesem Tag: meine Mama hat unausgesprochen die Losfahrzeit um eine Viertelstunde vorverlegt. Mist, jetzt muss ich mich sputen. Beim losfahren beruhigt mich meine Omi, wir hätten ja Zeit, sich solle mich erstmal anschnallen und wir kommen bestimmt gut an. Okay, entspannen, atmen, Ziel eingeben, langsam fahren.

Dort sind schon einige Verwandten und Freunde der alten Dame versammelt, Beerdigungen hatte ich in diesem Jahr schon, mir gefällt daran, dass man einem Menschen noch einmal alle Aufmerksamkeit spendet, die man hat. In guter Erinnerung, mit vielen Anekdoten und Ereignissen aus dem Leben bereichert, fahren wir danach etwas Essen. Ans Wasser, das ist gut. Allerdings wurde draußen gedeckt, es ist immer noch sehr heiß.

Um 18 Uhr fahre ich nach Hause, befrage meinen Sohn nach der Hortfahrt und versuche etwas über die Flüchtlinge zu erfahren, die Zusage meiner Eltern habe ich, meine Großmutter gibt Geld dazu. Das Rote Kreuz antwortet mir auf Twitter, dass Baby- und Kindersachen benötigt werden. Dann weiß ich ja, womit wir morgen helfen können.

Jetzt kommt gleich Besuch. Glücklicherweise 1,5 Stunden später als vereinbart, ich habe die Chance, alles von heute mal aufzuschreiben, mir nochmal zu vergegenwärtigen und dann zu posten. Dann gibt es Sekt. Ich finde solche Tage ganz alltäglich und normal, wie ist das bei Euch?

Und, ich freue mich auf zwei Wochen Urlaub. Einfach nur lesen, baden, kochen, Boot fahren. Diese Tage habe ich auch, ohne die ginge das nicht. Und doch, ich mag das so, mein Leben.

Eine große Liebe vergeht nie

Die Künstlerin Abramovic (von ihr habt ihr schon gehört, sie schaut im MOMA anderen eine Minute lang in die Augen) trifft ihren ehemaligen Liebhaber Play. Das letzte Mal haben sie sich in den 70er Jahren gesehen: um die Trennung zu ritualisieren, sind sie viele Kilometer aus verschiedenen Richtungen auf der chinesischen Mauer aufeinander zu gegangen und haben sich zum letzten Mal getroffen und umarmt. Bis heute:

Das Video berührt mich sehr, mir laufen Tränen über die Wangen, ich bin gerührt von so viel Verbundenheit, Nähe und Liebe.

Losgehen – mit Therapie. Aber mit welcher?

Ein Mensch fragt: “Wo geht es hier zum Bahnhof ?”
Es antwortet…
*der Gesprächstherapeut: “Sie wissen nicht wo der Bahnhof ist und das macht Sie nicht nur traurig, sondern auch ein Stück weit wütend.”
*der Tiefenpsychologe: “Sie wollen verreisen ?”
*der Psychoanalytiker: “Sie meinen dieses lange dunkle Gebäude, wo die Züge immer rein und raus, rein und raus… fahren ?”
*der Sozialarbeiter: “Keine Ahnung, aber ich fahre Sie schnell hin.”
*der Sozialpädagoge: “Ich weiß nicht, aber es ist gut, dass wir darüber reden können.”
*der Gestalttherapeut: “Du, laß das voll zu, dass Du zum Bahnhof willst.”
*der Bioenergetiker: “Machen Sie mal: sch … sch … sch …”
*der Verhaltenstherapeut: “Heben Sie den rechten Fuß, schieben Sie ihn vor, setzen Sie ihn jetzt auf. Sehr gut. Hier haben Sie ein Bonbon.”
*der Psychiater: “Bahnhof ? Zugfahren ? Welche Klasse ?”
*der Neurologe: “Sie haben also die Orientierung verloren. Passiert Ihnen das öfter ?”
*der systemische Familientherapeut: “Was glauben Sie, denkt Ihre Schwester, was Ihre Eltern fühlen, wenn die hören, dass Sie zum Bahnhof wollen ?”
*der Kurzzeittherapeut: “Stellen Sie sich vor: plötzlich geschieht ein Wunder und Sie sind schon am Bahnhof. Was ist anders dadurch?”
*der Psychodramatherapeut: “Zum Bahnhof. Fein. Das spielen wir mal durch. Geben Sie mir Ihren Hut, ich gebe Ihnen meine Jacke und dann …”
*der NLP-ler: “Schließen Sie die Augen, stellen Sie sich vor: eine Blume am Rande eines Weges…”
*der Positiv-Denker: “Schließen die Augen und sagen Sie zu sich selber: ich bin wunderbar und einzigartig und ich vertraue meinem Unterbewusstsein, dass es den für mich richtigen Weg weiß.”
*der Pädagoge: “Ich weiß natürlich, wo der Bahnhof ist. Aber ich denke, dass es besser für Dich ist, wenn Du es selbst herausfindest.”
*der humanistische Psychotherapeut: “Wenn Du da wirklich hinwillst, wirst Du den Weg auch finden.”

Die beiden Ziegen

Zwei Ziegen trafen sich auf einer schmalen Brücke, die über einen tiefen Fluß führte. Die eine wollte auf diese Seite, die andere wollte auf die andere Seite des Flusses.
“Geh mir aus dem Weg!” meckerte die eine.
“Du bist gut!” meckerte die andere. “Geh du doch zurück und laß mich zuerst hinüber. Ich war auch als erste auf der Brücke.”
“Was fällt dir ein?” antwortete die erste. “Ich bin viel älter als du und soll zurückgehen? Sei etwas höflicher! Du bist jünger, du mußt nachgeben!”
Aber beide waren hartnäckig. Keine wollte zurückgehen, um die andere vorzulassen. Erst haben sie geredet, dann geschrien und schließlich geschimpft. Als das alles nichts nützte, fingen sie miteinander zu kämpfen an. Sie hielten ihren Kopf mit den Hörnern nach vorn und rannten zornig gegeneinander los. Mitten auf der Brücke prallten sie heftig zusammen. Durch den Stoß verloren beide das Gleichgewicht. Sie stürzten zusammen von der schmalen Brücke in den tiefen Fluß, und nur mit Mühe konnten sie sich an das Ufer retten.

Ludwig Grimm (1790-1863)