Das Liebesexperiment im Radio 

Geht das wirklich? Beziehungscoaching im Radio? Ich denke: Klar! Wenn sich ein Paar zwei Stunden Zeit füreinander nimmt, die Experimente und kleinen Übungen miteinander macht und sich mal wieder richtig begegnet – das bewirkt viel.

In der Paartherapie hat man Zeit, über Dinge zu sprechen, die belasten, die vorgefallen sind, die trennen und die auch schön sind, gut klappen. So richtig miteinander ins Tun kommen, das passiert eher selten.. Händchen halten, sich lange in die Augen schauen, sich mal Rücken an Rücken aneinander zu stellen – das braucht Mut und eben “einfach machen”. Darum geht es beim Liebesexperiment auf 94,3 rs2. Ich stelle in den 2 Stunden die 7 Schlüssel zu einer gelingenden Beziehung vor und leite verschiedene Übungen an, die man direkt mitmachen kann. Zu zweit.

Das Liebesexperiment zum nachhören.

Vertrauen wieder aufbauen

Fremdgegangen, betrogen, unabgesprochen mit jemandem getextet, jemanden ins gemeinsame Ferienhaus mitgenommen?

Diese Situationen  erleben sehr viele Paare, meistens gibt es keinen Deal oder keine Absprache, wie sie mit diesen Situationen umgehen. Und selbst wenn es eine Absprache gibt, das reale Erleben ist oft anders als man sich vorher vornimmt.

Die häufigste Frage in der Paarberatung ist: wie kann ich mein Vertrauen wieder erlangen?

In verschiedenen Ratgebern von KollegInnen habe ich folgende 5 Punkte gefunden, die dabei helfen, das Vertrauen wieder herzustellen.

  1. Freundlichkeit, Interesse, Zuneigung
  2. Ehrlichkeit zeigen und leben
  3. Verbindlichkeit und Verlässlichkeit herstellen und halten
  4. Einzigartigkeit der Beziehung verdeutlichen, das Wir wieder spüren
  5. positive Vergleiche des Partners/der Partnerin, Anerkennung und Wertschätzung

Zeigt, dass Ihr Euch wichtig seid, seid verlässlich, haltet, was Ihr versprecht, bemüht Euch um Verbindlichkeit und Wort halten – im Alltag, macht deutlich, wieviel Euch die Beziehung bedeutet. Geht freundlich und zuvorkommend miteinander um, haltet an einer guten und zugewandten Sprache miteinander fest.

Trotz allem: Vertrauen schenkt man. Das lässt sich nicht im Außen herstellen. Ihr könnt Euch jedoch hilfreich verhalten. Beide.

Und es gilt zu klären, Vertrauen in was: in die Beziehung? in die Integrität des/der anderen? in sich selbst? Im gemeinsamen Gespräch finden sich Wege, das Vertrauen wieder zu reaktivieren und herauszufinden, was es gerade braucht. Für beide.

Offene Beziehungen – wie können sie gelingen?

– Unter welchen Voraussetzungen kann eine offene Beziehung funktionieren?
Eine offene Beziehung kann funktionieren, wenn beide Partner eine intensive Auseinandersetzung darüber hatten, wie genau ihre Beziehung gestaltet ist, was ihre Regeln und ihre Grenzen sind.

Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn beide gut im Kontakt sind, wenn sie wissen, was sie selbst und was der andere braucht. Und wenn aus diesem Austausch entsteht, dass beide diese offene Beziehung wollen, dann können beide etwas Neues wagen. Außerdem muss das Recht, einen anderen Sexualpartner zu wählen, für beide gleichermaßen gelten.
Zuletzt braucht es eine Vereinbarung darüber, wie über die anderen Sexualkontakte gesprochen wird, reicht es zu sagen, dass man woanders war oder braucht es mehr Informationen.

Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, Elemente einer offenen Beziehung gemeinsam zu testen, um nicht nur theoretisch über etwas zu sprechen, was man gar nicht ausprobiert hat. Es fühlt sich anders an.

– Gibt es bei dieser Beziehungsform womöglich sogar Vorteile gegenüber einer monogamen Beziehung?
Der Vorteil ist, dass man häufiger und abwechslungsreicheren Sex haben kann, als nur mit einer Person. Das mag denjenigen stärker befriedigen, dessen Bedürfnis nach Körperlichkeit groß ist als jemanden, dessen Bedürfnisse vor allem Sicherheit, Exklusivität und Zweisamkeit sind.

– Nach Ihrer Erfahrung: halten offene Beziehungen genauso lange wie “normale”?
Wenn eine Beziehung grundsätzlich offen gestaltet ist, also auch im nicht-sexuellen Sinne, dass man immer schaut, wer außer dem Partner zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung steht, dann hält die Beziehung länger. Wenn ich Luft und Bewegung brauche und mir Wandern als Strategie überlegt habe, dann gibt es die Option mit jemand anderem die Gipfel zu erklimmen, als zu Hause zu sitzen und unbefriedigt zu sein, nur weil mein Partner/meine Partnerin nicht der Wandertyp ist. Auf Dauer in seinen Bedürfnissen unbefriedigt zu bleiben, das tut keiner Beziehung gut, es folgen entweder Rückzug oder Angriff.

– Ein Partner wünscht sich eine offene Beziehung – der andere nicht. Was tun?
Wenn der Wunsch nach offener Beziehung einseitig ist, wird es keine offene Beziehung geben. Dann kann man nur heimlich Sex mit anderen haben oder für sich entscheiden, was einem wichtiger ist: dieser einen Strategie zur Bedürfnisbefriedigung nachgehen oder andere Bedürfnisse stärken und gemeinsam mit der Partner/ der Partnerin erfüllen.

Beziehung – was gehört dazu? 

Ich habe verschiedene Beziehungen, manche enger, manche ferner, manche mit Liebe, manche ohne, eine mit Sex.

Was gehört zu einer Beziehung dazu? Zu einer engen, nahen, ehrlichen Beziehung? Hier folgt eine (bestimmt unvollständige)  Sammlung, was Beziehung für mich heißt. Was fehlt? Was ist besonders wichtig für Euch?

Füreinander da sein

Sich unterhalten

Sich wichtige Dinge mitteilen

Zeit miteinander verbringen

Ehrlichkeit

Wahrhaftigkeit

Wissen, wie es dem anderen geht

Sich kümmern

Sich sorgen

Sich interessieren

Sich lieben

Sich informieren

Sich vermissen

An der Beziehung arbeiten/sprechen

Interessen teilen

Befreundet sein

Sich streiten

Sich aneinander abarbeiten, lernen

Sich emotional entwickeln – miteinander

Zusammen lachen

Sich etwas schenken

Zusammen weinen

Die Familien und Freunde kennen lernen

Aneinander denken

Sich nerven

Den anderen aus dem Fenster schmeißen wollen

Sich respektieren

Sich anerkennen

Sich so nehmen, wie man ist

Sich unterstützen und helfen

Sich motivieren

Sich verarschen

Sich gemeinsam Herausforderungen stellen

Ich freue mich auf Anmerkungen und Kommentare.

Ghosting

Ein kleiner Beitrag vom elektrischen Reporter über das Phänomen GHOSTING. Mit dabei: Anna Holfeld und Eric Hegmann (Paarberater Hamburg) und Betroffene.

„Haben Sie das von den Morgans gehört?“

Ich mag meinen Job wirklich sehr, ich kann den ganzen Tag lang Liebesfilme schauen und nenne das dann: arbeiten;-)

In dem Film mit Sarah Jessica Parker und Hugh Grant geht es um die Geschichte von einem Ehepaar, das einen Mord miterlebt und in einem Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird und ins weite Land Amerika zu den cowboyhütentragenden Menschen geschickt wurde, aus dem prallen New York weg.

Die Vorgeschichte der beiden ist, dass er fremdgegangen ist und sie sich getrennt haben und gerade, kurz vor dem Mord, das erste Wiederannäherungsdate hatten. Und sie nun, im Zeugenprogramm, ganz dicht aneinander rutschen, in der Fremde sind, Bären und Pferden begegnen und eben immer mal wieder Todesangst haben.

Worum es jedoch eigentlich geht, ist: wie gelingt die Wiederannäherung, wenn er fremdgegangen ist und sie das Vertrauen in ihn verliert?

Der Film gibt schöne Anregungen: den Raum- Zeitkontext wechseln, sich andere Aufgaben und Ablenkungen suchen, gemeinsam etwas Neues, Wichtiges erleben, Momente schaffen, an denen eine neue Begegnung wieder stattfinden kann, Ehrlichkeit darüber, wie die Beziehung eigentlich wirklich war. Und die ganze Zeit über ein zartes, neues Band zwischen sich spinnen, mutig sein, sich zu zeigen, den anderen wieder mit neuen Augen sehen und sich selbst zumuten, mit all dem, was man eben zu bieten hat.

Es stellt sich die Frage nach den enttäuschten Erwartungen. Ja, es wurden Erwartungen enttäuscht, aber auf beiden Seiten. Es gab viel Stress, Frustration ums Kinderhabenwollen und Adoptieren, viel Anspannung wegen der zeitaufwendigen Jobs, genervter und wenig fröhlicher Umgang miteinander. Es wird deutlich, dass wir eben alle nur das geben können, was wir haben und nur so sein können, wie wir sind. Und dass Fehlerfreundlichkeit wichtig ist, wenn wir auf lange Sicht beieinander sein wollen. Ich sage manchmal: ent-täuscht, einer Täuschung weniger erlegen. Und das ist doch gut. Ich kann ehrlich sein mit dem, was ich zu geben habe und dem, was ich mir wünsche. Und beide können schauen, ob und wenn ja wie es passen kann.

Also los, schaut Liebesfilme und nehmt daraus etwas mit für Euch, das ist Arbeit. 😉

Sonst wäre ich ja nicht hier in der Paarberatung

Diesen Satz höre ich sehr oft als Bekräftigung, Bestätigung des eigenen Interesses an der Partnerschaft. Viele meiner Kunden kommen, weil ihnen die Beziehung am Herzen liegt und weil sie etwas verändern möchten.

Am Anfang erarbeiten wir die klärungsbedürftigen Themen und es zeigen sich erste, wichtige veränderungsbedürftige Verhaltensweisen bei beiden. Und die Frage nach dem Interesse von beiden an der Beziehung taucht auf. Was hat da jeder davon, dass diese Beziehung aufrecht gehalten wird? Verhält sich jeder auch in der Realität so, dass das spürbar wird?

Und genau hier kommt der Satz: klar, ist mir die Beziehung wichtig, sonst wäre ich ja nicht hier bei der Paarberatung.

Was ich vor ein paar Monaten verstanden habe, ja ich weiß, relativ spät, ist, dass es eben nicht darauf ankommt, ob man zur Paarberatung geht oder nicht. Das ist zweifelsohne ein wichtiger Schritt, ein Manifest dafür, dass beide doch etwas verbessern möchten, die Möglichkeit, durch einen Dritten ein ruhiges, geregeltes Gespräch zu führen, die Chance, sich neu kennen zu lernen. Und doch kommt es eben nicht so sehr auf die fünf oder sieben Stunden bei mir an, sondern auf die vielen vielen Stunden, die die Paare gemeinsam haben, im realen Leben.

Zeigt jeder dem anderen, dass er ihm wichtig ist? Verhält sich jeder so, dass Annäherung wieder möglich ist? Führt man die wichtigen Gespräche auf eine ruhigere Art als bisher? Verzichtet man darauf, den nächsten Vorwurf auch noch zu bringen? Darauf kommt es an, auf die alltäglichen Verbesserungen in der Kommunikation und im Zusammensein, im Miteinander. Die Verbindung, die besteht, wieder spürbar werden zu lassen, wenn es einem wichtig ist. Dafür zu sorgen, dass die kleine Beziehungspflanze wieder zum Blühen kommt.

Dafür gibt es natürlich in der Paarberatung Anregungen, das Umsetzen jedoch, täglich, stündlich, minütlich, dazu ist eben jeder selbst verpflichtet. Dann erst, und nur dann, verbessert sich die Beziehungsqualität wirklich. Dann erst lohnt es sich.