Was fühlt mein Kind?

-Laut einer aktuellen britischen Studie schätzen viele Eltern das Befinden ihrer Kinder falsch ein, weil sie sich nicht ganz von ihren eigenen Emotionen lösen konnten. Sie nutzen ihre Stimmung als Ausgangspunkt, um über die Situation ihrer Kinder nachzudenken. Wie schätzt Du diese Beobachtung ein? Machst Du auch selbst die Erfahrung, dass Eltern von sich auf ihre Kinder schließen?

Ich teile die Beobachtungen der Studie, wenngleich es immer wieder auch in meiner Praxis und in meinem Umfeld Eltern gibt, die auf eindeutige Signale der Kinder zu bestimmten Gefühlen ganz aufgeschlossen und emphatisch reagieren. Es wird deutlich, dass es eben große Unterschiede gibt, ob die Menschen eine gewisse Empathiefähigkeit haben oder nicht. Empathie und Mitgefühl, also das mitschwingen mit Gefühlen, braucht Zuwendung, Aufmerksamkeit, wenig eigene starke Gefühle in dem Moment sowie ein genaues Lesen und Verstehen der Körpersprache und der verbalen Signale. Die meisten Menschen können das lernen.

-Wann fällt einem diese Empathiefähigkeit schwer?

Ein Gespür für andere Menschen zu haben, das hat nicht jeder Mensch gleichermaßen entwickelt. Wenn man zusätzlich sehr in dem eigenen Film des Lebens verhaftet ist, sehr mit sich und eigenen Problemen beschäftigt ist oder sich eine zu genaue Vorstellung vom Gegenüber bastelt, die er/sie gar nicht erfüllen kann – dann fehlt die aufrichtige Aufmerksamkeit füreinander.

-Was machen wiederum Eltern richtig, die das Befinden ihres Kindes sehr gut erspüren können?

Wenn es gelingt, nicht nur als Eltern, sondern als Menschen in sozialen Beziehungen, die eigenen Filter etwas zu reduzieren und zu versuchen, sich jemandem ganz frisch, neugierig und offen zuzuwenden, dann hat das Gegenüber etwas davon. Man kann dann schön bei seinen eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen bleiben und muss sich nicht am anderen abarbeiten, bevor man verstanden wird. Wenn ich traurig bin, dann will ich das sein, ohne, dass das mit meinem Gegenüber etwas macht.

-Welche Rolle spielt das Alter des Kindes in Bezug auf die Beobachtungen bzw. das Gespür der Eltern in Bezug auf ihr Kind?

Die Entwicklungsstufen des Kindes haben hier einen Einfluss auf die Lesbarkeit. Wenn ein Kind noch nicht sprechen kann, brauche ich viel Aufmerksamkeit, um alle Signale zu erkennen, wenn es später mal nicht sprechen will, sondern im Rückzug ist, dann fällt es mir natürlich nicht leicht, zu erkennen, was gerade los ist.

-Wie nah sollten Eltern ihren Kindern gefühlsmäßig – generell – kommen? Wie viel emotionale Nähe ist gesund?

Emotionale Nähe ist erst einmal etwas Gesundes, finde ich. Und wenn es ein gutes Elternhaus ist, die dem Kind wohlgesonnen sind, dann ist es ein Geschenk für das Kind, Nähe zu erlernen, Angenommen sein, Liebe. Wenn es sich allerdings um ein Elternhaus handelt, das viele Schwierigkeiten birgt, in dem es gewalttätig, aggressiv oder auch depressiv zu sich geht, dann schadet eine zu große emotionale Nähe dem Kind.

6 Tipps, wie Sie herausfinden, wie es Ihrem Kind wirklich geht:

5-10 Jahre alte Kinder
1 Schön-blöd: Erzählen Sie sich alle jeden Abend, wie Ihr Tag war. Was war schön, was war blöd. Jedes Familienmitglied ist dran, darf so lange sprechen, wie er/sie möchte und dann ist der/die Nächste dran. Kurze Nachfragen sind erlaubt. Durch das Ritual wird es ganz selbstverständlich, dass Sie wichtige Erlebnisse in der Familie austauschen und Anteil nehmen. Dabei werden Gefühle sichtbar.
2 Nehmen Sie sich Zeit. Ein wichtiges Alltagserleben des Kindes findet in der Schule statt. Zeigen Sie dort Präsenz, beim Ausflug der Klasse, beim Kuchenbasar, beim Elternabend. Lernen Sie die Realität des Kindes kennen, seine Freunde und Klassenkameraden. So werden Sie ein guter Gesprächspartner, weil Sie ein bisschen besser wissen, worüber das Kind spricht.
3 Trauen Sie sich selbst über Gefühle zu sprechen. Teilen Sie sich mit, wie es Ihnen geht, nur durch Vorleben funktioniert das gut.

10-16 Jahre alte Kinder/Jugendliche
4 Verbringen Sie Einzelzeit mit Ihrem Kind. Schaffen Sie Raum dafür, dass etwas Schönes entstehen kann und lenken Sie dann das Gespräch auch auf Erlebnisse des Alltags, Wünsche, Sorgen.
5 Bleiben Sie dran. Zeigen Sie Interesse am Leben Ihres Kindes. Lernen Sie online-Leben kennen, verbringen Sie Zeit miteinander, auch mal an Orten, die Ihr Kind mag, bleiben Sie interessiert und unterstützend. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung ist ein wichtiger Pfeiler für gelingende Gespräche, auch über Gefühle.
6 Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was Sie tun können, alle, damit jeder mehr gesehen wird und es genug Aufmerksamkeit für jeden gibt. Denken Sie sich Rituale aus, zusammen.

Fehlgeburt-Warum kann die Liebe darunter leiden?

Wenn beide Partner sich sehr auf das Baby gefreut haben, vielleicht auch schon das schwanger werden nicht einfach war, dann ist eine Fehlgeburt besonders tragisch. Die Anspannung ist sehr hoch, die Trauer braucht ihren Platz und das Leben muss trotzdem irgendwie weitergehen. Das ist für ein Paar eine sehr belastende Situation, die nicht immer dazu führt, dass die beiden Eltern näher zusammen rücken und sich gegenseitig stärken. Die große Frage nach dem „Warum?“ taucht immer wieder in den Köpfen auf, Schuldzuweisungen bleiben sicherlich nicht aus. In der Paarberatung sind manchmal Paare, wo die Fehlgeburt schon sehr lange zurück liegt und wie ein Schatten von beiden erlebt wird, der noch heute spürbar ist. Dann braucht es liebevolles Hinschauen und eine gemeinsame Aufarbeitung der schwierigen Zeit.

Man spricht auch von einer schleichenden Depression in Folge einer Fehlgeburt. Stimmt das?

Die Frau, manchmal auch beide Elternteile will/wollen sich nach einer Fehlgeburt oft ausruhen, sich verkriechen, sich zurückziehen und suchen nicht die Öffentlichkeit, die anderen, die vielen Fragen und neugierigen Blicke. Auch noch Wochen nach einer Fehlgeburt kann eine depressive Verstimmung den Gemütszustand dominieren.

Ist ein Tapetenwechsel/Umzug vielleicht das Richtige?

Was das Richtige nach einer Fehlgeburt ist, kann nur das Paar entscheiden. Manchmal mag ein Tapetenwechsel helfen, ob es gleich ein Umzug sein muss, bezweifle ich. Raum für den Schmerz und die Trauer zu haben, für den Abschied, damit sein zu dürfen, das ist das Richtige in der Zeit. Liebevolle Gegenüber, die nicht Mitleid haben, sondern Empathie und die fragen, was derjenige, der trauert, gerade braucht. Vielleicht ist es Ablenkung durch Sport, Freizeit, Arbeit, vielleicht braucht es das gerade nicht, sondern einfach nur Zeit.

Wer ist dran mit Hausarbeit?

Eine tolle Idee, um das leidige Paarstreitthema: wer ist dran mit Hausarbeit? zu verändern:
-lustig: es gibt Würfel, die der “Knick-Knack-Design”-Shop bei Dawanda erstellt. Auf den einen können Sie Symbole tun, die mit Abwasch, Putzen, Einkaufen und Spülmaschine zu tun haben und auf einen weiteren Ihre Namen. Dann wird immer wieder neu gewürfelt.
-effektiv: diese Liste in Excel kann Sie dabei unterstützen, Ihre Aufgabe, die zu Hause und innerhalb des Familienalltags anfallen, neu zu sortieren und zu zuordnen. Vielleicht haben sich bestimmte Aufteilungen bewährt, vielleicht bedürfen anderer einer Überholung. Ergänzen Sie nach freien Stücken und hängen Sie sich die Liste irgendwo für Sie beide sichtbar hin

Eine gute Vorbereitung auf die Elternschaft, Lachflash inklusive

“Tragen Sie 9 Monate einen Sandsack und entnehmen Sie nach der Zeit 5%” oder “Öffnen Sie das Handschuhfach und legen Sie ein Schokoeis hinein” oder…
Im WebBlogBeitrag der Spaßzeitung Huffington Post finden Sie viele wichtige Übungsfelder für zukünftige Eltern und jede Menge Spaß für jene, die es schon sind. Einfach herrlich.

Was Mamas und Papas so drauf haben…

1) aus dem Tiefschlaf hochschnellen,wenn 2 Zimmer weiter ein Filzstift auf der Tapete quietscht

2) in 10 dünnen Härchen mindestens 20 lustige Klammern unterbringen

3) im Bus eine diplomatische Antwort auf die Frage finden : Mama, warum ist der Mann da so dick?

4) kapieren, dass kein Kinderkopf zu groß ist, um zwischen 2 Geländerstäben durchzupassen

5) am Elternabend auf winzigen Stühlen ausharren, ohne einzelnen besserwisserischen
Supermamis an die Gurgel zu springen

6) nicht müde werden zu versichern, das Karotten groß und stark machen und Pommes
klein und dick

7) in Windeseile ein phantasievolles Kostüm zaubern und den selbstgebastelten Stiftehalter aus Klorollen tapfer auf dem Büroschreibtisch platzieren

9) zu Tränen gerührt sein, wenn das Kind in der ersten Theateraufführung mitspielt, egal
ob es ein Dornröschen, Frosch oder eine Dornenhecke spielt

10) in 50 verschiedenen Tonlagen NEIN sagen

11) morgens um 2 Uhr Monster aus dem Kinderzimmer vertreiben

12) den ersten Liebeskummer als das zu nehmen, was er ist: eine Tragödie

13) locker bleiben wenn die Schwiegermutter fragt: meinst du das ist gut für das Kind?

14) strafende Blicke ignorieren wenn sich das Kind im Supermarkt kreischend auf den
Boden schmeißt

15) der Versuchung widerstehen Benjamin Blümchen den Rüssel umzudrehen weil sein
*tööröööö* seit 2 Stunden durchs Auto röhrt

16) mit niemandem tauschen wollen…

(gefunden bei: Facebook/leidergeil)

Eltern sein – Paar bleiben

Der erste Artikel im neuen Blog für Paare, die Eltern sind, dreht sich um das Thema Zeit.

In der Vorbereitung eines Vortrags für die Tage der Liebe in der Urania zum Valentinstag gab es für meinen Kollegen und mich nur ein zentrales Thema: Zeit. Die wichtige Zeit zu zweit, die man braucht, um sich zu begegnen, miteinander zu sprechen, Leben und Augenblicke zu teilen, einander nah zu sein.
Ohne diese Zeit füreinander helfen alle guten Vorsätze nichts, die Partnerschaft aufrecht zu erhalten oder wieder zu erneuern.

Wenn nun aber Kinder in Ihrem Leben sind, wenn Sie beide arbeiten, sich um Ihre Familie und vielleicht auch Ihre Eltern kümmern, Hobbies haben, einen aufwendigen Garten und anderes mehr, das Ihre Aufmerksamkeit verlangt, dann wird es zu einer großen Herausforderung, die ungeteilte Paarzeit (quality time) zu ermöglichen. Doch genau darum geht es. Schaffen Sie gemeinsam Momente, an denen Sie nur für sich und die Partnerschaft Zeit haben. Wird das schwierig? Vielleicht. Müssen Sie dafür anderes aufgeben, bestimmt. Haben Ihre Kinder dadurch weniger Aufmerksamkeit von Ihnen? Auf jeden Fall. Lohnt es sich? Sicher!

Wenn Sie in der Partnerschaft nicht gut zusammen funktionieren, Sie sich keine Zeit füreinander nehmen, verlieren Sie Kontakt, spüren sich weniger, machen sich Ihre eigenen Gedanken und Ihren eigenen Plan. Alles, was auf Sie zukommt, alles, was Sie bewältigen müssen, das schaffen Sie besser, wenn Sie im Kontakt sind, sich abstimmen, miteinander sprechen. Manche Paartherapeuten haben festgestellt, dass Paare im Durchschnitt 5-15 Minuten am Tag miteinander sprechen (Organisatorisches ist da schon mit einberechnet). Wenn Sie auch zu denen gehören, bei denen das so ist, habe ich zwei Tipps für Sie:

1) Verabreden Sie sich wieder, fest, regelmäßig, auch gern in der eigenen Wohnung. Planen Sie die Verabredung detailliert, damit klar wird, was genau Sie vorhaben, was schwierig zu organisieren wird und welchen Part jeder übernimmt. Kocht der eine schon, während der andere die Kinder ins Bett bringt? Wer besorgt den Babysitter und wer macht die Reservierung im Restaurant? Wer kommt früher von der Arbeit und wer besorgt das Lieblingsgetränk?

2) Sprechen Sie über das, was Ihnen auf dem Herzen liegt, über sich und das, was Sie gerade bewegt. Sprechen Sie über die Beziehung, wie geht es Ihnen miteinander im Moment? Gibt es etwas, das Sie sich anders wünschen? Der eine spricht, der andere hört einfach nur zu. Nachfragen sind erlaubt. Bewertungen, eigenes Fortführen der Geschichte und Abgelenktsein sind verboten 😉 Bleiben Sie in der Aufmerksamkeit bei dem, der erzählt. Danach wird getauscht.

Wenn Sie beide gut miteinander sind, sich wahrnehmen und wahrgenommen werden, haben Sie wieder mehr Ressourcen für alles andere.

In dem Blog werden Sie Anregungen für Ihre Partnerschaft finden, Tipps zum weiterlesen, Ideen von anderen und deren Umgang mit dem Thema :Eltern sein – Paar bleiben. Viel Spaß beim Lesen.

Paare werden Eltern..wenn der Fokus der Beziehung sich verschiebt

Das Ende der Schwangerschaft naht, der Bauch wird groß und der Babybelt hilft schon gar nicht mehr, die Vorfreude steigt: langersehntes Familienglück, große Erwartungen. Die ersten Strampler kaufen, Ausstattung für das neugestrichene Kinderzimmer, die strahlenden Großeltern, die sich freuen, dass endlich ein Enkel da ist und im Bücherregal häufen sich die Ratgeber rund um Geburt, Erziehung und Kinderpflege. Und dann?

Die Herausforderungen der Geburt sind gemeistert, die Hebamme hilft in wöchentlichen Besuchen, die ersten praktischen Dinge rund um das Baby zu erlernen wie stillen, wickeln, waschen und Fingernägel schneiden. Zuweilen bekommt die Mutter gutgemeinte Ratschläge, sich noch nicht auf zu lange Spaziergänge zu wagen, sondern die Bettruhe ernst zu nehmen. Dann bleibt die Hebamme weg, die Gratulanten, die so nett Suppe brachten, bleiben aus und das Paar ist mit sich und dem Neugeborenen alleine. Nach ein paar Wochen geht der Mann wieder arbeiten.

Ein Jahr später: der Mann hat seine 2 Monate Elternzeit erfolgreich hinter sich gebracht. Die Rückbesinnung auf berufliche Wünsche der Mutter entwickelt sich. Das Paar kümmert sich um eine Tagesbetreuung für das Kind, die es in Berlin immer nur ab August gibt, sehr zur Überraschung der Eltern von Winterkindern. Es gibt die ersten Versuche, das Kleinkind woanders schlafen zu lassen, die Abendgestaltung gewinnt an Möglichkeiten.

Eine neue dänische Studie zeigt, dass sich das Paar erst nach ca. 1,5 Jahren nach der Geburt wieder sich selbst zuwendet und zuwenden kann. Und was sie dann feststellen, bringt große Frustration und Desillusionierung zu Tage. Die Aufmerksamkeit, die sie zur Verfügung hatten, hat das Kind bekommen, die Kraft, die sie hatten, ist in das Organisieren von Alltag geflossen, die Wünsche und Hoffnungen, die da waren, sind ungenannt und unerfüllt geblieben. In die Praxis für Familien- und Paarberatung kommen diese Paare dann mit zwei unterschiedlichen Anliegen, entweder wollen sie schauen, was sie verändern müssen, damit die Partnerschaft wieder funktioniert oder sie wollen entscheiden, ob und wie sie sich trennen.

Ich möchte dazu beitragen, dass die Paare entweder eher miteinander in Kontakt treten, sich austauschen und sich annähern. Der Blog kann hierfür Anregungen geben.