Nach dem Happy End ist vor dem Happy End

Anna Holfeld – Expertin mit den sieben Schlüsseln für gelingende Partnerschaft
Der schönste Moment vom ganzen Liebesfilm ist das Happy End! Aber was kommt eigentlich danach?
Einer meiner schönsten Momente in meinem persönlichen Liebesfilm war die Hochzeit. Kein Happy End, sondern der Beginn eines Happy on. Kurz vor meiner Hochzeit gab mir eine Freundin einen Satz mit auf den Weg, der Türen in mir öffnete: „Es kann nur klappen, was auch schiefgehen darf“. Welch ein Satz für eine Verliebte, die gerade heiraten will! Mich hat das sofort beruhigt. In aller Aufregung, die eine Hochzeit und das „Ja, Du für immer“ mit sich bringt. Es kann klappen, muss aber nicht auf Biegen und Brechen. Mir fiel der Druck von den Schultern, dass es bei uns klappen muss. Meine Eltern waren geschieden und ich wollte es natürlich anders machen. Aber wer weiß, wie die Dinge sich entwickeln. Der Satz machte mir bewusst, dass meine Ehe auch schiefgehen darf und gab mir den nötigen Freiraum, mich voll und ganz einzulassen: auf meinen Mann, auf die Beziehung und auf die Ehe.
„Es darf schiefgehen“ heißt für mich auch: es könnte vielleicht schiefgehen. Es gilt also, etwas für die Beziehung zu tun, etwas zu investieren. Genießen, einlassen, fühlen und gleichzeitig immer dran bleiben, sich einbringen, etwas dafür tun, dass sich die Beziehung gut entwickeln kann.
Als Mutter von zwei kleinen Jungs weiß ich, dass gerade Eltern mit jungen Kindern sich und den anderen schnell aus dem Blick verlieren. Familie, Beruf und der hektische Alltag neigen dazu, die ganze Kraft und Aufmerksamkeit aufzusaugen. Es ist sehr schade und macht mich traurig, wenn das Paar dann nicht mehr vorkommt. Wie viel mehr wäre möglich, wenn die Partner sich wieder begegnen könnten? Wenn sie das Verbindende wieder spüren? Wenn sie darüber sprechen könnten, wie es war, als sie zusammen gekommen sind, was sie beide mögen und was ihnen wichtig ist? Was funktioniert gut und was nicht? Enttäuschung, Schmerz, Wut oder Irritationen können schnell Türen verschließen. Es ist sehr berührend zu sehen, wie in der Paarberatung diese Türen wieder geöffnet werden und die Liebe wieder sichtbar wird. Je ehrlicher und klarer wir miteinander und auch mit uns selber sind, umso besser funktioniert auch die Beziehung.
„..was schief gehen darf“ heißt auch, es könnte schief gehen. Was dann? Hier gibt es selten ein Rezept. Unsicherheit, Wut, Ängste und viele Vorwürfe bestimmen die erste Zeit nach der Trennung. Mir ist es in dieser Situation besonders wichtig, dass die Paare für sich selbst und ihre Kinder, den guten Rest an Liebe, Vertrautheit und Verbundenheit nutzen, um eine tragfähige Lösung für Ihr weiteres Leben zu finden.
In meinem Praxisladen für Beziehungen in Neukölln habe ich einen Raum eröffnet, in dem alle Anspannungen wie von selbst weichen können und das, was ein Paar verbindet, wieder fühlbar wird. Meine ruhige Klarheit, unaufdringlichen Fragen und aufmerksames Zuhören lassen neue Wege und Lösungen entstehen. Und wenn jemand nicht weiter gehen möchte, kann ich ihn auch stehen lassen, jeder hat ein anderes Tempo, um seine eigenen Schritte zu gehen. Meine Arbeit verkörpert ein Erinnern an die Zeit des Zaubers und der Verbundenheit und dem Mitnehmen, Anpassen und Transformieren ins Jetzt.
In der Arbeit mit den Paaren habe ich sieben Schlüssel für eine gelingende Beziehung entwickelt. Diese Schlüssel sind Inspiration und Wegbereiter zugleich – für das Happy End nach dem Happy End. Denn wenn Paare wissen, was wichtig ist und was sie für sich selbst und die Beziehung tun können, dann klappt es auch mit dem Liebesglück.